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Wie das MfS in der 80er Jahren arbeitete                                                                                                                        Datum: 13.11.09

Über zwei Jahrzehnte hat sich eine Gruppe Wissenschaftler und Autoren mit der „Anatomie der Staatssicherheit“ befasst. Zwei Dutzend Handreichungen umfasst die gleichnamige Reihe, gegründet, um Struktur und Methoden des Machtapparates darzulegen – zum Verständnis für jene, die heute in ihre Akten einsehen. Nun ist das Projekt in der Endphase.Historisch hat das letzte Jahrzehnt der sozialistischen Republik begonnen, die 80er. Der Konflikt zwischen Sowjetunion und USA erreicht einen neuen Höhepunkt, ein Wettrüsten hat eingesetzt. Weil amerikanische Mittelstreckenraketen in der Bundesrepublik stationiert werden, gerät die DDR unter Druck: Falls es zu einer militärischen Konfrontation der Supermächte kommt, ist klar, wen es als Erstes trifft. „Uns.“ Die SED-Führung sitzt zwischen den Stühlen: Sie muss den Schulterschluss mit der Sowjetunion üben und kann doch nicht ignorieren, dass die deutsch-deutschen Beziehungen seit Brandts „Wandel durch Annäherung“ auf anderer Basis stehen.Das Ministerium für Staatssicherheit reagiert, indem es die Personenüberwachung ausdehnt. Zwischen 1980 und 1986 verdoppelt sich die Zahl der Kontrollen auf 12,8 Millionen, auch bis dato „nicht erfasste“ Bürger werden geprüft. Gezielt analysiert das Handbuch das Handeln der Stasi infolge der sowjetischen Glasnost-Politik ab 1987: Bürgerrechtler werden attackiert, Reformhoffnungen „zersetzt“ und Fluchthilfe stärker be-straft. Ein Brevier, das nicht als Geschichtsbuch zu lesen ist, sondern als Quellensammlung. [weiterlesen]

 

Fluchtgedanken bei DDR Grenztruppen Soldaten ?                                                                                                           Datum: 12.11.09

Wer bei den GT gedient hat, war zumindestens im Grenzdienst oft mit dem Durchspielen eines Grenzdurchbruchs beschäftigt. Gründe waren zunächst der reine Selbstschutz, um auf deutsch den eigenen Arsch zu retten und erst dann kamen - wenn überhaupt - höhere politische oder gesellschaftliche Ziele wie Unverletzlichkeit der Staatsgrenze bla bla bla. Wer aber Tag für Tag auf die Anlagen sah, hat auch Gedankenspiele betrieben, wie er selbst türmen könnte. Wenn allerdings wie bei mir im Harz oft geschehen die komplette Kompanie als Alarmeinheit das halbe Eckertal eine Nacht lang abriegelte und nur aller 150m ein Postenpaar gelegen hat, war es überhaupt kein Problem ("ich geh denn mal kurz Pin..") über die 5m entfernte Ecker zu springen und zu wissen, daß ein Hinterherschiessen auf seinerzeit ausländisches Territorium nicht möglich gewesen ist. Anders sah es auf den Postenpunkten aus, wo eine Sicherungsanlage überwunden werden mußte. Aber da mindestens 2-3mal ein Toilettengang bei jedem pro achtstündiger Schicht anstand auch kein Problem. Die Grenzer sahen es nach meinem Eindruck in der Mehrzahl als übertragende Verantwortung an, selbst frei zu entscheiden, ob sie flüchten wollten oder nicht. Das wurde faktsich natürlich kaum so ausgesprochen. Und die Zahl derjenigen, dies gemacht haben, war ja bekanntermaßen verschwindend gering. Vergleichbare Erfahrungen haben unter anderem auch Seeleute von Handelfloote und Fiko oder Fernfahrer und viele im Ausland tätige Künstler aber auch Wissenschaftler gemacht. Die jedoch individuell nicht vorhandene freie Entscheidungsmöglichkeit hat bei vielen jungen Menschen in der DDR zunehmend zu nachvollziehbaren Aversionen gegen den Staat geführt. Das die Masse der Grenzer nicht gestifet ist, war unter anderem ein Hauptgrund, warum sie neben den Angehörigen des MfS bis heute im medialen und juristischen Trommelfeuer liegen. [weiterlesen]

 

Der 9. November 2009 was bedeutet dir dieser Tag?                                                                                                       Datum: 09.11.09

Ich habe an diesem Tag Urlaub und werde mit anderen Zeitzeugen am Point Alpha vielen Schülern zur Verfügung stehen.
Hier ein Ausschnitt der Point Alpha Seite:
Schülerreporter auf den Spuren der Friedlichen RevolutionProjekttag am 9. November in der Gedenkstätte Point Alpha mit Fuldaer Zeitung und LandesWelle Thüringen Geschichte hautnah erleben und erfragen.Die Point Alpha Stiftung hat zahlreiche Zeitzeugen zu Themen wie „Grenzregime", „Flucht und Widerstand", „Zwangsaussiedlung", „US-Army" und „ErinnerungsKUNST" als Gesprächspartner für die Schüler eingeladen, unter ihnen den Leipziger Bürgerrechtler Gunther Weißgerber, den ehemals auf Point Alpha stationierten Soldaten und heutigen Verbindungsoffizier der US-Army, Steven Steininger und den aus der DDR stammenden Bildhauer Ulrich Barnickel, der das Skulpturenprojekt „Weg der Hoffnung" am ehemaligen Todesstreifen für die Stiftung gestaltet. Bereits im Vorfeld haben sich mehr als 500 Schüler angemeldet, so dass die Führungen für den Vormittag schon ausgebucht sind. Vier Schulklassen, die als Gewinner einer Ausschreibung von der Fuldaer Zeitung und LandesWelle Thüringen eingeladen sind, werden den Projekttag mit Unterstützung von Redakteuren als Reporter erleben: Die drei hessischen Schulklassen erarbeiten zwei Seiten für die Fuldaer Zeitung; die Thüringer Schüler werden live von Point Alpha im Programm von LandesWelle über ihre Spurensuche am historischen Ort berichten.(manudave)


Die DDR mein Land ?                                                                                                                                                   Datum: 09.11.09

Ich bin auch in der DDR aufgewachsen. Aber mein Land? Die Kindheit war zwar nicht schlecht, aber die Armeezeit hing wie ein Damoklesschwert über mir. An ein vernünftiges Fahrzeug (Motorrad/Auto) war nicht zu denken. Ich hatte nur ne klapprige TS150. Bei der war ich froh, wenn ich auf der Fahrt in die Kreisstadt nicht stehen geblieben bin.Ich hab immer von den Alpen geträumt und sehnsüchtig daran gedacht, wenn auf Bayern 3 im Winter die Staus der Menschen auf dem Weg zum Skifahren gemeldet wurden. Bei uns gibt es zwar auch ein paar Hänge, die sind aber maximal für Anfänger interessant und einen Haken für den Skilift (brauchte man bei den damaligen Liften) hatte man nur mit Beziehungen.Aus meiner Sicht war die DDR ein Staat, bei dem es "Von nichts nichts gab und das reichlich." - Zitat einer ehemaligen Kollegin. Ein riesengroßes Gefängnis (oder an was erinnern Euch die Bilder von Grenzzaun und Mauer?). Selbst Reisen in die sozialistischen Bruderländer waren erschwert (begrenzte Umtauschmöglichkeit, keine Quartiere - selbst auf Campingplätzen war es manchmal unmöglich einen Platz zu bekommen...).Alles in allem ein unmöglicher Zustand. Der 09.11.1989 und die Tage danach und davor waren die schönsten und spannensten in meinem Leben. Ich habe vorher fleißig Flugblätter auf meiner Erika abgetippt und dann auf den Demos verteilt und war dann gleich am ersten Wochenende in Westberlin, wo wir das ganze WE durchgefeiert haben. Danach konnte ich Zivildienst machen und mußte nicht zu dieser blöden Armee. Dann habe ich meinen Traum verwirklicht und in der Nähe meiner geliebten Alpen gelernt und bin zwar dann wieder nach Sachsen gezogen, fahre seitdem aber 1-2x im Jahr in die Alpen und war schon auf sämtlichen spanischen Inseln, im Roten Meer tauchen, in Griechenland, der Türkei, aber auch in Bulgarien, Moskau, St.Petersburg, am Baikal und in Sibirien. Das alles zu DDR-Zeiten - undenkbar. Der 09.11. ist für mich das Ende dieses großen Gefängnisses und dieser Staat ist hoffentlich für immer und ewig in den Geschichtsbüchern verschwunden.  [weitere Meinungen]

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