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Die Innerdeutsche Grenze und Ihre Schattenseiten "Aktion Ungeziefer" war eine davon

 
Über 10.000 Menschen wurden im Rahmen von zwei großen Aktionen an der innerdeutschen Grenze auf Geheiß der DDR-Regierung 1952 (Deckname "Ungeziefer") und 1961 (Deckname "Kornblume") aus ihren Dörfern - wie es geschönt hieß - "ausgesiedelt". Außerdem wurden bis in die siebziger Jahre, nachdem auch noch die letzten Bewohner zermürbt und vertrieben worden waren, viele dieser Dörfer, die den DDR-Machthabern zu nahe an der "Staatsgrenze-West" standen, dem Erdboden gleichgemacht. Alle diese Dörfer lagen in der sogenannten "Sperrzone". Die Gesamtfläche dieses 5-km Sperrgebietes entlang der 1394 km langen Grenze betraf über 3.000 qkm, das waren ca. 2,8 % des Gebietes der DDR, mehr als die Fläche des Großherzogtums Luxemburg. Folgende Dörfer wurden zu DDR-Zeiten zerstört, nachdem ihre Einwohner vertrieben worden waren. Es handelt sich hierbei nur um eine Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Bardowieck, Kreis Grevesmühlen Billmuthausen, Kreis Hildburghausen Broda, Kreis Ludwigslust Dornholz, Kreis Schleiz Erlebach, Kreis Hildburghausen Grabenstedt, Kreis Salzwedel Hammerleithen, Kreis Plauen Heiligenroda, Kreis Bad Salzungen Jahrsau, Kreis Salzwedel Kaulsroth, Kreis Sonneberg Korberoth, Kreis Sonneberg Lankow, Kreis Schönberg Leitenhausen, Kreis Hildburghausen Lenschow, Kreis Grevesmühlen Liebau, Kreis Sonneberg Lieps, Kreis Hagenow Neuhof, Kreis Gadebusch Neu Gallin, Kreis Hagenow Niederndorf, Kreis Bad Salzungen Ruppers, Kreis Meiningen Schmerbach, Kreis Meiningen Schwenge, Kreis Bad Salzungen Stöckigt (nur Ortsteil), Kreis Plauen Stresow, Kreis Salzwedel Vockfey bei Neuhaus, Kreis Hagenow Wehningen (nur Ortsteil), Kreis Ludwigslust Zarrentin-Strangen, Kreis Hagenow

Das Dorf Jahrsau war eines von vielen Dörfern die der innerdeutschen Grenze weichen musste. Für ein Dorf im Grenzstreifen war kein Platz die Menschen wurden ins Landesinnere der DDR zwangsausgesiedelt.

Die Wüstung Jahrsau ist ein geschliffenes Dorf in Sachsen-Anhalt an der ehemaligen innerdeutschen Grenze nordöstlich von Salzwedel. Das Dorf Jarsowe wurde 1375 erstmals erwähnt. In allen Kriegen wurde es übersehen, weil es abgelegen und nur von Süden aus erreichbar war. Nach der deutschen Teilung war Jahrsau nach drei Seiten von der Zonengrenze eingeschlossen. 1952 wurden drei von vier Bauernfamilien aus Jahrsau zwangsausgesiedelt, um die Grenzsicherung zu erleichtern. Im März 1970 wurde das Dorf durch Einebnung aller Gehöfte endgültig geschleift.



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Wer die DDR verlassen will und einen Ausreiseantrag stellt, muss mit Nachteilen für sich und seine Familie rechnen

 
Das war kein Märchen, sondern die traurige Wahrheit. Jeder Bürger der DDR hatte das Recht, einen Ausreiseantrag zu stellen. Aber die meisten versuchten es gar nicht - denn die Folgen nach der Antragstellung waren schlimmer als man dachte. Hier einige Berichte von Augenzeugen, die genau das erlebt haben.


"Das mit den Nachteilen stimmt mit Sicherheit. Wir hatten in der Bekanntschaft meiner Eltern einige Leute, die es betraf. Da war plötzlich keine Delegierung auf die EOS (vergleichbar mit dem Gymnasium) mehr möglich. Bei bestimmten Berufen, wie in Bahnwesen, Schifffahrt, Luftfahrt, Elektronikindustrie (hier wohl, um Blamagen zu vermeiden...), Kulturwesen war plötzlich keine Ausbildung mehr möglich oder wurde unter fadenscheinigen Gründen abgebrochen. Ein Bekannter, dessen Eltern (er aber nicht) ausreisen wollten, sollte aus der Jagdgesellschaft rausfliegen und plötzlich kein Jäger mehr sein dürfen (das passierte dann aber nicht, weil es in der Jagdgesellschaft hierfür keine Mehrheit gab). Mein allererster Fall bei der Kripo war ein Bürger, dem man nach einem Ausreiseantrag seine illegal auf dem Dach montierte Westantenne abgebaut (er sagte geklaut, was ja eigentlich nicht stimmte) hatte. Die gleichen Antennen der übrigen Bewohner blieben wo sie waren, haben also nicht interessiert - das war schon auch Schikane. Dass Schüler und Studenten von der legalen Ausreise ausgeschlossen gewesen sein sollen, kann ich nicht glauben. Dann hätte es keine Familienzusammenführung gegeben. Bei Geheimnisträgern war das sicher schwieriger oder konnte viele Jahre dauern." (S51 - Mitglied Forum DDR Grenze)

Mein Schwager hatte für sich und seine Familie (Frau und drei Kinder) einen Ausreiseantrag gestellt. Er wollte zu seiner Schwester nach Lübeck. Mit der Antragstellung begann ein Spießrutenlauf, in der eine Existenz systematisch zerstört wurde. Erst verlor er seinen Posten, da es nicht tragbar war, dass ihm Leute unterstellt sind. Dann, so nach und nach, wurde Steinchen für Steinchen seiner beruflichen Karriere abgebaut, bis er zuletzt, nach Monaten, total seine Arbeit verlor. Er stand an einem Punkt, wo er nicht wusste, wie es weitergehen sollte und wie es überhaupt möglich sein sollte, seine Familie zu ernähren. Das Schlimme an der ganzen Sache, er wusste zu dem Zeitpunkt nicht einmal, ob sein Antrag überhaupt je genehmigt wird. Zu jeder schrittweisen "Degradierung" wurde er ins Kombinat vorgeladen, wo man ihm sagte, mit der Rücknahme des Antrages könne er zuminderst einen Teil seiner beruflichen Laufbahn retten. Da er sich jedoch weigerte, kam es halt letztendlich zur totalen Arbeitslosigkeit. Bei meiner Schwägerin verlief es ähnlich, wenn auch nicht ganz so spektakulär. Man sagte ihr, da für ihre Arbeit eine langfristige Planung nötig wäre und sie ja die DDR verlassen wolle, könne sie nur noch für "Hilfsarbeiten" eingesetzt werden. Dass im Vorfeld die ganze Nachbarschaft über sie ausgefragt wurde, war dagegen nur eine Kleinigkeit im Verhältnis zu dem, was sie so durchmachen mussten....... war also nicht der Rede wert. Als er dann ohne Arbeit da stand, kam kurz darauf der Bescheid, sie können ausreisen und haben binnen "so und so viel" Stunden die DDR zu verlassen. Jeder durfte dann mit einem Koffer "bewaffnet" ausreisen.......nicht mehr und nicht weniger. Mit Menschlichkeit hatte dies alles nichts zu tun. Und wenn ich dann teilweise lese, es brauchte ja keiner über die Grenze abzuhauen, man konnte ja gefahrlos ausreisen, in dem man einen Ausreiseantrag stellt, dann wird es mir ganz einfach speiübel." (Ernest - Mitglied im Forum DDR Grenze)

"Wie die meisten hier schon wissen, bin auch ich - wie CaptnDelta - ein Betroffener gewesen. Ich habe den Antrag damals persönlich abgegeben, und ich habe persönlich die Entlassungsurkunde aus der Staatsbürgerschaft der DDR gegen Zahlung von 30 Mark erhalten, danach die Identitätsbescheinigung gegen Zahlung von weiteren 25 Mark. Dazwischen lagen fast 2 Jahre Erniedrigung, Demütigung, Einschüchterung, schlimme psychische Verhöre - denen ich damals - ganz ehrlich - kaum gewachsen war. Immer wurde einem vermittelt, du schaffst das nie, wir lassen sie nicht weg. 3 Tage vor Weihnachten erfuhr man dann, dass man innerhalb von 14 Stunden das Land verlassen muss, ansonsten wird man inhaftiert. Damit wollte man verhindern, dass wertvolle Dinge veräußert werden konnten, nicht wenige Häuser kamen so billig an MfS-Angehörige. Noch heute kenne ich die Grundlage dafür nicht. Man hat mich während dieser 2 Jahre in 4 verschiedene Betriebe gesteckt - immer zu anderen Leuten - immer in den Dreck, einmal auch in der Kohle - allerdings um LKW zu reparieren. Dem Knast bin ich um Haaresbreite entgangen, so die Auskunft des Mitarbeiters der Abt. Inneres. Dabei hatte ich nur das Glück, an "vernünftige" Entscheidungsträger zu gelangen. Auch die gab es natürlich. Freunde, die zu mir gehalten haben, hat man seitens der Stasi unter Druck gesetzt, einige haben dann aus Angst eingelenkt und die Verbindung zu mir gelöst - andere mich bespitzelt. Aber ein paar wenige sind standhaft geblieben. Diese Erfahrungen über eine andere DDR wünsche ich keinem. Gut, dass man vorher nicht wusste, was auf einen zukommt. Ausreisen durften nicht alle (Schüler u. Studenten immer) - natürlich gab es eine Untersagungsmöglichkeit des Ministers für Personengruppen (Grenzer, z.B.) - unsere Experten hier wissen das, aber über Botschaften kamen manchmal sogar MfS- (Familien-angehörige raus. Hier hatte das MfS einfach keine guten Karten - Honecker traf hier die Entscheidung - auch gegen den Rat einiger Mitarbeiter." (Augenzeuge - Mitglied im Forum DDR Grenze)



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Die EK Bewegung der DDR Grenztruppen

 
Mit „EKs" bezeichnete man bei der Armee die „Entlassungskandidaten“, also die Soldaten des letzten Diensthalbjahres, deren Entlassung von der Truppe am nächsten bevor stand. Bei vielen Waffengattungen nutzten diese Soldaten ihre Erfahrungen und Beziehungen, um ungestraft die Soldaten der jüngeren Halbjahre zu drangsalieren und zu schikanieren. Auch als Wiedergutmachung für die selbst als Frischling erlittenen Demütigungen wurden die neuen Soldaten zum Stiefelputzen, Reviersäubern, Essenholen und vielen anderen Dingen gezwungen. Wenn ich von der EK – Bewegung an der Grenze erzähle, können das viele, die woanders dienten, gar nicht glauben.

Keimschmiede
Die Grenztruppen der DDR unterhielten Ausbildungsregimenter, in denen die frisch eingezogenen Soldaten nach der militärischen Grundausbildung über einen Zeitraum von einem halben Jahr alles lernen sollten, was sie für den Grenzdienst benötigten. In diesen Ausbildungsregimenten gab es fast ausschließlich Soldaten des ersten Diensthalbjahres. Es war also gar niemand da, der uns schikanieren konnte. Gerade in der Eingewöhnungszeit mussten wir uns deshalb nicht noch vor unseren eigenen Kameraden fürchten.

Patenonkel
Beim Einzug in meine Grenzkompanie kam ich auf eine Stube, die mit 6 Soldaten (inzwischen eigentlich 6 Gefreiten) belegt war. Es gab 6 Doppelstockbetten, die jeweils unteren Bettgestelle belegten diese „EKs“. Ein EK, erklärte man mir, sei „zu alt“, um noch nach oben in das obere Bett zu klettern. Ok, wenn’s weiter nichts ist. Schnell stellte sich dann der unter mir Liegende als mein „Patenonkel“ vor. Patenonkel ? Waren ich jetzt sein persönlicher Sklave oder was?
Nein, der Patenonkel fühlte sich verpflichtet, sich um meine Eingewöhnung „am Kanten“ zu kümmern. Zunächst gab es einige Geschenke, wie sich das für ein Patenkind gehört. Das waren unter Anderem

- Eine Kordel mit 2 Karabinerhaken

Diese Kordel hakte man mit einem Haken ins Knopfloch der Innentasche der Uniform. An den anderen Haken kam später, wenn man Postenführer war, der „Goldene Schlüssel in den Westen“. Die Tore im Grenzsignalzaun waren durch Vorhängeschlösser verschlossen. Jeder Grenzposten trug einen Schlüssel bei sich, um sie passieren zu können. Damit diese Schlüssel nicht verloren gingen, bastelten sich die Soldaten diese Kordeln
- Eine Liste der Postenpunkte des Abschnitts
Solche Listen mit Bezeichnungen markanter Geländepunkte waren eigentlich verboten. Sie hätten verloren gehen und in falsche Hände gelangen können. Trotzdem halfen sie sehr beim Lernen im Abschnitt, für den Grenzdienst war die Kenntnis aller Postenpunkte unerlässlich. Man schickte uns zum „Melden an Postenpunkt 6“ – ja, wohin sollten wir nun ? Die Liste erleichterte den Einstieg
- Ein paar Garnituren Unterwäsche
Die Armee stellte uns nicht nur die Uniformen, sondern auch die Leibwäsche. Das waren gelblich schimmernde lange Hemden und Unterhosen. Der gelbliche Schimmer, beruhigte man uns, käme von einer Salzlösung, mit der die Wäsche imprägniert sei, um etwas ‚feuerfester’ zu werden. Wir glaubten das gern, denn die anderen Gründe für gelbe Unterwäsche wollten wir nicht wissen, (Man durfte auch eigene Wäsche verwenden, aber das war vielen zu umständlich – schließlich hatte man nur alle 10-12 Wochen einmal Urlaub und musste Päckchen hin und her schicken). Auf der Kompanie gab es alle 14 Tage einen Wäschetausch. Wenn man zwischendurch etwas benötigte, war das immer mit einem Haufen Lauferei verbunden. Die geschenkte Unterwäsche half, über diese Zeit zu kommen, denn zur normalen Ausrüstung gehörten nur 4 oder 5 Garnituren (für 14 Tage !).
- Bilder mit Rangabzeichen des BGS und des Zolls und Hubschrauberfotos
Damit man später korrekte Meldungen machen konnte auch wenn man in der Grundausbildung nicht so gut aufgepasst hatte.
- Ein "LuKi"

Beim stundenlangen Sitzen („Ducken“) im Gelände bekam man oft einen kalten Hintern, ein aufblasbares Luftkissen machte das etwas gemütlicher.

Verwöhnung
Eine Schicht mit seinem Patenonkel war meist etwas Besonderes. Da man täglich die Postenpaare neu mischte, kam das gar nicht so häufig vor. Für seinen Patenonkel nahm man besonders viel „Verwöhnung“ mit zum Dienst: Eine Tafel Schokolade, Dosen mit Früchten, Kekse. Auch Dosen mit Fertiggerichten (ganz beliebt „Königsberger Klopse“), die wir dann im Abschnitt aufwärmten und als willkommene Abwechslung sowie Zeitvertreib achteten. Das alles sollte den EK bei Laune halten, damit er dir auch weiterhin wohlgesonnen bleibt. Gegessen wurde dann meist alles gemeinsam. Aber das Drumherum war eben bemerkenswert.

Verbote
Für uns Neue gab es einige Spielregeln zu beachten. So durften wir bestimmte Worte nicht in Gegenwart der EKs aussprechen: „Heimgang“, „Heimi“ (=ein Hase) usw. Auch die Farbe Blau war für uns tabu: blaue Thermoskannen, blaue LuKis waren den EKs vorbehalten. Beim Nichtbefolgen dieser Regeln zahlte der Ertappte eine Mark in die „Putscherkasse“. Aus dieser Kasse finanzierten wir dann unsere Kaffeeorgien: Wir tranken an manchem Abend eine Kanne Kaffee (Bohnekaffee war kostenpflichtig an der Grenze) nach der anderen, solange, bis sich auch ein gewisser Rauschzustand einstellte. Auch hier tranken EKs und Achtziger gemeinsam vom eingezahlten Geld.

Bandmaß

Das wichtigste Utensil des EKs war sein Bandmaß. Dazu bemalten und beschrifteten wir ein Schneidermaßband von 150 cm in der Art eines Kalenders. Jeder Zentimeter stand für einen Tag, den die Entlassung näher rückte. Jeden Tag schnitten wir also einen cm ab, und das kürzer werdende Band zeigte uns die näher rückende Entlassung an. Der erste Anschnitt – also 150 Tage vor dem Entlassungstermin – wurde gefeiert. Die EKs standen im Gang auf ihren Hockern. Das Maßband war ausgerollt, unten, am ersten Tag, hing an einer Klemme der Stahlhelm. Die Patenkinder standen in Unterwäsche vor ihren Patenonkeln. Auf dem Kopf ebenfalls der Stahlhelm, gekrönt von einer brennenden Kerze. Die Patenkinder durften nun den ersten Zentimeter abschneiden – alle gleichzeitig – und die Stahlhelme donnerten auf den Steinfußboden. Danach gab’s Kaffee bis zum Abwinken.
Da das Bandmaß wie gesagt sehr wichtig für den EK war, durften die Achtziger die EKs jederzeit (auch im Waschraum - sehr beliebt) zum Vorzeigen des Bandmaßes auffordern. EKs, die man hier ohne Bandmaß ertappte, zahlten ebenfalls eine Mark in die Putscherkasse.

Ja, so erlebte ich die berüchtigte EK–Bewegung an der Grünen Grenze. Natürlich putzte auch an der Grenze ein EK Stube, Gang und Klo nicht mehr. Das durften ausnahmslos wir „Achtziger“ - wie man uns in Anlehnung auf einen früheren Soldaten - Einstiegssold von 80,00 Mark nannte - , erledigen. Aber die Stiefel putzte sich schon jeder selbst. Bunte Spiele (z.B. Zugfahrt der EKs nach Hause) gab es nur zur Belustigung aller, kaum auf Kosten der Achtziger.

Sicher lag das hauptsächlich daran, dass wir täglich mit scharfen Waffen umgingen. Ein drangsalierter Achtziger hätte schnell durchdrehen und großen Schaden anrichten können.
Vielleicht war es aber auch ein wenig das Gefühl, das wir Grenzer schon in einer besonderen Situation waren und deshalb besser zusammenhalten sollten. Ich durfte auf jeden Fall in dieser Zeit die beste Kameradschaft erleben, und das ist jetzt nicht der verklärte Blick auf die Vergangenheit, das war wirklich so.

Wie gesagt, bei anderen Waffengattungen ging es da ganz anders zu, es gab sogar Selbstmorde von gedemütigten und gequälten Soldaten. Deshalb stößt man oft auch auf Unverständnis, wenn man heute von "Kameradschaft" spricht. Aber ich habe das wirklich so wie geschildert erfahren dürfen


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Flucht und Fluchtversuche an der Innerdeutschen Grenze - Viele haben es versucht, aber wenige haben den Weg in die Freiheit geschafft

 
Jede Nacht fuhren damals aus Budapest Flüchtlingsgruppen los, Richtung österreichische Grenze. Ihr Gepäck hatten sie meist im Lager zurückgelassen, die Botschaft schaffte es in großen LKW-Fuhren nach geglückter Flucht an die angegebenen Adressen in Westdeutschland. Jede Nacht rannten, robbten und krochen Hunderte im Mondlicht kilometerweit durch Maisfelder, Wald und Unterholz. Die ungarischen Grenztruppen würden nicht scharf schießen, lautete ein Gerücht.

Leider war das Gerücht falsch:
Am 21. August wurde der DDR-Bürger Kurt Werner Schulz bei Györ erschossen, als er mit seiner Lebensgefährtin und dem gemeinsamen Kind gerade die Grenzlinie erreicht hatte. Beim Handgemenge mit ungarischen Grenzsoldaten löste sich aus einer Kalaschnikov ein tödlicher Schuss, Schulz kroch noch auf österreichisches Gebiet, wurde sterbend zurückgeholt, der Grenzsoldat erlitt einen Nervenzusammenbruch. Er war - wie viele seiner jungen Kollegen - durch die neue Situation überfordert.

Auch der Autor dieses Beitrags hatte eine Gruppe von vier DDR-Bürgern bei ihrer dramatischen Flucht durch das Grenzgebiet begleitet.
"Als wir von einer Streife entdeckt wurden und davonrennen wollten, feuerten zwei Soldaten Dutzende von scharfen Warnschüssen über unsere Köpfe hinweg und dicht neben uns in den Acker - bis wir uns schockiert festnehmen ließen. Unsere von Budapester Diplomaten aufgeschnappte Information, die Grenzsoldaten schössen nur noch mit Platzpatronen, erwies sich als böser Irrtum.
Abtransport, mehrstündiges Verhör in der Kaserne von Fertörakos. Dutzende von anderen DDR-Flüchtlingen waren dort bereits festgenommen worden, etliche schon zum wiederholten Mal. Um Mitternacht ließ uns der Kommandeur, Major Gustav Ovári, plötzlich frei. Beim Abschied flüsterte er uns zu: 'Warum seid Ihr nicht durch den Wald gegangen? Da gibt es doch keine Soldaten!' Dank Ováris Rat gelangten wir noch in dieser Nacht nach fünfstündigem Marsch durch dunkles Unterholz und rostige Stacheldrahtverhaue glücklich nach Österreich. Major Ovári hat sicherlich auch anderen heimlich auf diese Weise geholfen."

Eine Woche später kehrte der Münchner TV-Journalist Christian Zoltcer zu ihm zurück, der damals ebenfalls festgenommen worden war. Jetzt ermunterte Ovári in einem Gespräch die DDR-Bürger in Ungarn faktisch sogar zur Flucht: »Wir schießen hier nicht mehr auf Menschen. Wir schrecken sie mit Warnschüssen und Hundegebell nur ab - damit nicht noch mehr kommen. Doch wenn die DDR-Flüchtlinge schneller laufen als meine Soldaten, dann haben sie gewonnen und sind in Freiheit.« Demonstrativ zerknickte er dabei ein Stück des durchlöcherten, rostigen Stacheldrahtzaunes, das sofort zerbrach. Das Interview mit Ovári wurde via ARD-Tagesthemen auch in der DDR gesehen. Man kann sich vorstellen, welche Wirkung es dort hatte.

Ein Jahr später erzählte mir Major Ovári die Motive seines Handelns: »Seit 22 Jahren bin ich schon hier an dieser Grenze. ich konnte bisher nur hinüberblicken. Doch es war immer ein großer Traum von mir, einmal mit meiner Frau Hand in Hand auf der anderen Seite spazieren zu gehen. Als Grenzsoldat aber war das früher unmöglich.
Doch immer habe ich diese Sehnsucht gefühlt, wenn ich hinüberschaute. Ich konnte daher mitempfinden, was die DDR-Flüchtlinge gefühlt haben müssen. Und so gelang es mir, diese Humanität auch auf meine Soldaten zu übertragen.

Dann führte er uns noch einmal ins Grenzgebiet zwischen Fertörakos und Mörbisch. Noch immer dieselben Trampelpfade, dazwischen rostige Stacheldraht-Reste an morschen Grenzpfählen. Ovári: »Hier, an dieser Stelle, gelang wohl mehr als 5000 DDR-Bürgern die Flucht in den Westen. Hier ging die Welle los, hier bekam sie ihre stärkste Dynamik. Hier haben meine Soldaten rund 5000 mal DDR-Bürger festgenommen und sie kurz darauf immer wieder freigelassen - bis ihnen ihre Flucht endlich gelungen war. Nur aus außenpolitischer Rücksicht gegenüber der DDR mussten wir diese Festnahmen durchführen. Hier war der Ausgangspunkt der politischen Kettenreaktion, die zum Ende der DDR führte. jetzt kommen hier meist Rumänen und Russen durch, die denselben Weg in den Westen nehmen wie damals die Ostdeutschen. Ich meine: Wir haben hier in Sopron sozusagen den ersten Stein aus der Berliner Mauer herausgebrochen.«

Auf Ováris Schreibtisch steht tatsächlich ein Trümmerstück aus der Berliner Mauer. Es ist der symbolische Dank eines DDR-Flüchtling für Ováris menschliche Haltung.

Inoffizielle Hilfe zur Massenflucht: Das war noch viel mehr das berühmt gewordene "Paneuropäische Picknick am 19. August 1989 an einem kleinen Grenzübergang bei Sopron. Organisator war die Paneuropa-Union, Schirmherren waren Imre Poszgay und der Europaabgeordnete Otto von Habsburg (der sich bei der Feier wegen einer Terminüberschneidung durch seine Tochter vertreten ließ).

Pozsgay und seine politischen Freunde hatten zuvor über private Kanäle unter DDR-Bürgern im Budapester Flüchtlingslager den Hinweis gestreut, dass man an diesem Tag kurz den Grenzzaun öffnen werde. Wer dann »zufälligerweise« dort sei, könne ungehindert hin- und hergehen. Sogar fotokopierte »Wanderkarten« mit den Wegen zum Ort der Feier wurden verteilt.

Die ungarischen Grenzwachen wären an diesem Sonntag besonders dünn besetzt, als die Feier zu beiden Seiten des Grenzstreifens begann. Angestrengt-unauffällig lauschten auffallend viele Touristen auf der ungarischen Seite den Vorreden diverser Europapolitiker. Dann - endlich öffnete ein Grenzer unter Beifall das alte Holztor. Plötzlich kam Bewegung in die DDR-Touristen: Das Tor war kaum offen, da drängte schon ein Paar hindurch, die Frau stürzte vor Aufregung zu Boden, über sie hinweg rannten immer schneller die nachströmenden Flüchtlinge, die das Ereignis kaum fassen konnten und eine Stunde später wie betäubt und schluchzend mit ihren Kindern am Wegesrand standen. Eine junge DDR-Bürgerin wurde bei dem Durchbruch von den Massen derart niedergetrampelt, dass sie verletzt in ein Krankenhaus gebracht werden musste - zu ihrem Pech zurück nach Ungarn.

Rund 1200 DDR-Bürgern gelang damals diese erste, öffentliche Massenflucht. Angesichts der Fernsehbilder brach in der DDR unter den Ausreisewilligen fast Hysterie aus. Rund 150.000 Anträge auf ständige Ausreise lagen damals bereits den Behörden vor. War nun die letzte, die allerletzte Chance vor den jetzt zu befürchtenden Reisebeschränkungen verpasst? Die Urlaubssaison neigte sich dem Ende zu. Trotzdem machen sich noch mehrere zehntausend DDR-Bürger sofort auf den Weg nach Ungarn.

Aus Angst, diese letzte Chance zu verpassen, warteten auch dort bereits Zehntausende DDR-Urlauber die Entwicklung ab. Sie hatten ihren Aufenthalt verlängert oder als Transitreisende auf dem Rückweg vom Schwarzen Meer hier gestoppt. In den Familien gab es quälende, herzzerreißende Diskussionen um das Für und Wider der Flucht. Kinder verabschiedeten sich von ihren Eltern.
Freunde und Freundinnen trennten sich, selbst Ehepartner. Sie glaubten, es sei für viele Jahre. Und ihnen blieb nur die ungewisse Hoffnung, sich irgendwann einmal mit staatlicher Genehmigung wieder sehen zu dürfen.

Eine schier unerträgliche Endzeitstimmung brach unter vielen DDR-Bürgern aus. Der 1. September - Schulbeginn in der DDR - war für viele Wartende mit Kindern der Stichtag einer schwierigen Entscheidung. Wie viele Schulbänke würden wohl zu Hause im neuen Schuljahr leer bleiben?

Zwei weitere Massenfluchten wurden gemeldet. Die erste fand am helllichten Tage statt: Vor laufender Fernsehkamera fuhren rund 150 überfüllte DDR-Autos dicht hintereinander auf den österreichischen Grenzübergang Klingenbach. 100 Meter vor der ungarischen Zollstation sprangen Flüchtlinge plötzlich alle gleichzeitig aus den noch ausrollenden Autos, rissen ihre Kinder mit heraus. Sie nahmen flüchtend nur mit, was sie am Leib tragen konnten. Sie ließen ihre Autos zurück, auf die sie zehn Jahre lang gespart und gewartet hatten. Weiße Taschentücher schwenkend fluteten die Menschen - unter den Augen der verdutzten Grenzer - in einer breiten Prozession über abgeerntete Felder in den Westen.

Die dritte Massenflucht jedoch scheiterte dramatisch. DDR-Stasi-Agenten in Budapest hatten ihren ungarischen Kollegen verraten, dass eine ZDF-Reporterin angeblich vier Busse gemietet habe, um rund 200 Flüchtlinge zur Grenze zu bringen. Die DDR-Botschaft setzte daraufhin das Innenministerium unter Druck. Mehrere hundert Grenzsoldaten stellten sich den Flüchtlingen in gestaffelter Kette entgegen.

Doch die Flüchtlinge marschierten mit dem Mut der Verzweiflung auf sie zu und versuchten, sie mit dem Absingen der »Internationale« zu verwirren. Eingehakt drängten sie die Posten-Kette immer wieder zurück. Die Grenzsoldaten schossen mit Tränengas und schwangen drohend ihre Gummiknüppel dicht über den Köpfen der Flüchtlinge, schämten sich jedoch meist, wirklich zuzuschlagen. Da begannen einzelne Offiziere, ihren Soldaten nacheinander die Kalaschnikow-Maschinenpistolen abzunehmen und feuerten damit minutenlang wild in die Luft.

Vergeblich - die Flüchtlinge rückten auch dann noch weiter vor, als die Offiziere dicht vor ihnen MP-Sperrfeuer in den Boden schossen, so dass ihnen jaulende Querschläger nur so um die Ohren flogen. Plötzlich brach ein 14jähriges Mädchen schreiend und blutend zusammen - ein Geschoß-Splitter hatte sie an der Schulter getroffen. Erst jetzt gaben die entnervten Flüchtlinge auf, ließen sich widerstandslos zu den Bussen zurückführen. Viele weinten.

Das Scheitern dieses bisher größten Durchbruchversuchs sprach sich in den Flüchtlingslagern schnell herum. Es markierte das Ende der Massenfluchten über die grüne Grenze. Volker Rühe, damals Fraktionsvize der CDU-CSU-Bundestagsfraktion, kam nach Budapest und forderte die DDR-Flüchtlinge auf einer Pressekonferenz zum Abwarten auf -niemand werde zurückgeschickt. Das war das Stichwort: Immer mehr DDR-Flüchtlinge sammelten sich in den fünf Flüchtlingslagern an, die Ungarn nun in rascher Folge einrichtete. Abwarten auf eine politische Lösung - doch wie lange noch?
Fast alle hatten jetzt Angst vor weiteren Fluchtversuchen.
Die stalinistischen Arbeitermilizen hatten hart zugeschlagen. Doch das ungarische Fernsehen berichtete kritisch darüber und zeigte die primitive Schlägertruppe durch geschickte Kameraführung geradezu froschgesichtig hässlich. Es kam zu einem derartigen öffentlichen Aufschrei, dass die Milizen wieder abgezogen wurden. Immer mehr Ungarn hatten jetzt Mitleid mit der Lage der DDR-Flüchtlinge und forderten deren freie Ausreise. Auch die DDR zeigte erstmals Nervosität: Wütend dementierte ADN eine Meldung der »Welt«, wonach die DDR zum 1. September eine Einschränkung des Reiseverkehrs nach Ungarn plane. Das Gerücht jedoch ging längst um in der DDR und trieb nur noch mehr Bürger nach Ungarn. Bundeskanzler Kohl schlug mehrfach direkte Gespräche mit Honecker über die Flüchtlingsfrage vor. Doch die DDR reagierte darauf nicht - um nicht faktisch ein Einmischungsrecht der BRD zu akzeptieren.

Am 25. August übergab DDR-Botschafter Gerd Veres in Budapest eine Protestnote seiner Regierung, in der er die 'Sogwirkung' der Flüchtlingslager kritisierte und von Ungarn verlangte, die DDR-Bürger zur Rückkehr aufzufordern. Vielsagend erklärte Veres, dass dieses Schreiben (noch?) keine Drohung enthalte. Der ungarische Staatssekretär Kovacs blieb kühl: Die Krise sei von der DDR selbst ausgelöst worden; damit liege der Schlüssel zur Lösung in anderen Händen.
 

 

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Der Grenzsignalzaun war eine der sichersten Arten der Grenzsicherung an der Innerdeutschen Grenze

 
Mir sind drei Formen des Signalzauns bekannt (chronologisch geordnet):
- ca. 3-Meter Streckmetallzaun mit Abweisern Richtung DDR - an denen 4 Reihen Stacheldraht als Signaldrähte angebracht waren
- ca. 2-Meter-Zaun - unten ein Streckmetallfeld, darüber 12 Reihen Stacheldraht als Signaldrähte und am oberen Abschluss-Abweiser in Richtung DDR, wiederum mit 3 oder 4 Reihen.
- ca. 2-Meter-Streckmetallzaun - davor in Richtung DDR (von unten nach oben) alle 30 cm Reihen aus Stacheldraht als Signaldraht und darüber Abweiser in beide Richtung mit je 4 Reihen.

An die Signaldrähte war eine Signalspannung angelegt, die sowohl auf Unterbrechung als auch auf Kontakt mit einem anderen Signaldraht reagierte. Eine einfache Berührung eines Signaldrahtes führte noch nicht zur Auslösung. Diese Alarmtechnik ließ sich nur am Schaltkasten abstellen, der sich jedoch zwischen Signalzaun und Grenzzaun befand.
Der Grenzsignalzaun war in Felder unterteilt. In der Führungsstelle waren Signalgeräte (Standard KSB - Kompaniesignalgerät Brocken) aufgestellt, die eine Auslösung innerhalb eines Feldes anzeigten. Somit wusste der Kommandeur Grenzsicherung auf ca. 300 m genau, wo die Auslösung erfolgt war und konnte die Maßnahmen zur Abriegelung in der entsprechenden Richtung befehlen. An den alten Zäunen (erste und zweite Bauart s.o.) war der Zustand der Signaldrähte zum Teil so schlecht, dass zur Überprüfung der Auslösung die Drähte an den Kontaktstellen erst mit dem Taschenmesser blankgeputzt werden mussten. Mit dem neuen Zaun hatte ich selbst keine Erfahrung mehr.

Wildauslösungen gehörten sowohl an den Signalzäunen als auch Minen zur Tagesordnung. Im Vergleich dazu waren aber technische Auslösungen häufiger. Abgesoffene Kabel, Kurzschluss durch Regen- oder Tauwasser, Spannungsschwankungen, fehlerhafte Schaltschränke, extreme Temperaturschwankungen - solche Dinge haben uns mehr beschäftigt als Rehe und Wildschweine. Interessant waren Füchse. Die haben sich mit schöner Regelmäßigkeit unter den ca. 60 cm tief eingegrabenen Streckmetallplatten durchgegraben ohne auszulösen, aber zum Schrecken der Kontrollstreifen. Der mir bekannte Rekord waren 62 Auslösungen in einer Nacht (Gott sei Dank nicht bei uns im Abschnitt).

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Die Anfänge des Grenzsignalzaunes waren einfacher Natur: 2 potenzialseitig abwechselnd gespannte Drähte, die in der FüSt mit einer Kontrollleuchte einen Stromkreis bildeten. Problem dabei war, dass wenn Kleinspannung unter 42 V (und die war Grundvoraussetzung) verwendet wurde, der Draht am Zaun einen sehr hohen Eigenwiderstand hatte, weshalb Felder zwischen 200 - 300 m schon das Maximum darstellten. Mit diesem Zaun konnte man Unterbrechungen und auch Kurzschluss überwachen. Die einfachste Version hatte nur ein Relais im Stromkreislauf, welches bei Unterbrechung oder Kurzschluss abfiel und so einen Alarm im entsprechenden Feld auslöste. Das Grundproblem (hoher Eigenwiderstand der Zaundrähte) führte dann zu einer Verbesserung. Es wurde eine Frequenzüberwachung aufgebaut, die mit niederer Frequenz (durchaus im hörbaren Bereich) eine deutliche Verbesserung der Signalfelder erreichte. So wurde dann der Stacheldraht mit einer Frequenzspannung betrieben, welche im Schaltkasten auf Frequenzresonanz ausgewertet wurde. Dadurch wurde der Zaun empfindlicher, und es bedurfte keinem Kurzschluss oder Unterbrechung, um ein Zaunfeld auslösen zu lassen. Der Innenwiderstand eines Menschen, der gleichzeitig zwei unterschiedliche Drähte berührte, reichte aus, um das Feld zur Auslösung zu bringen. Somit löste aber auch ein hinein fliegender Vogel oder eine sich am Zaun kratzende Wildsau, Rehwild, hineinwachsende Pflanzen z.B. dann den Alarm am Zaun aus



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Transitautobahn von und nach West Berlin

 
Wer vor der Wende nach West-Berlin wollte, musste die Transitautobahnen durch die DDR benutzen. Eine der meist befahrenen Transitstrecken war die Autobahn A2 Hannover-Berlin, vorbei am Grenzübergang Marienborn/Helmstedt. Aber was hat man alles so erlebt auf der Transitstrecke, und was war erlaubt, und was war verboten? Hier ein paar kleine Geschichten von Augenzeugen und Transitfahrern:

Der ADAC hatte 1988 ein Abkommen mit dem Verkehrskombinat Potsdam bezüglich Pannenhilfe auf den Transitstrecken geschlossen. Die dortigen Mitarbeiter wurden von Seiten des ADAC in der Technik der westlichen Fahrzeuge geschult, es wurden vom ADAC die Hilfsfahrzeuge sowie eine Grundausstattung Hilfsmaterial für die kleineren Pannen zur Verfügung gestellt. Die Pannenhilfe selber erfolgte jedoch durch DDR-Bürger, die auch nicht beim ADAC angestellt waren. Von daher ist es nur logisch, dass sie auch DDR-Bürgern bei Pannen halfen.

Es war meines Wissens strikt untersagt, als Transitreisender die Autobahn unterwegs zu verlassen. Es sollte damit vermieden werden, dass unkontrolliert Kontakt zwischen West und Ost zustande kam, Waren ausgetauscht wurden oder sogar Personen geschmuggelt wurden. Man konnte auch davon ausgehen, dass man auf den Rastanlagen nicht unbeobachtet war. Es gibt sogar Berichte, in denen die Staatssicherheit die Autobahn in Westfahrzeugen mit West-Kennzeichen bestreifte, man erkannte diese Fahrzeuge dann an der fehlenden TÜV-Plakette.

Die Tankstellen an den Transitstrecken - zumindest der Strecke Berlin-Marienborn - waren immer mit Raststätten verbunden, und in den Raststätten war immer ein Intershop. Für PKW waren es auf der Strecke von Berlin gesehen: Raststätte Michendorf, Raststätte Ziesar, Raststätte Börde bei Magdeburg.
Busrastplatz in dieser Strecke war bei Theeßen - ohne Tankstelle, aber natürlich mit Intershop, wenn ich mich recht erinnere, aber nur auf einer Fahrbahnseite - beide Seiten waren durch ein Fußgängerbrücke verbunden.
Die Einfahrtzeit stand auf dem Einreisestempel. Bei Verdacht wurde das bei der Ausreise kontrolliert. Hat man die gewöhnliche Durchreisezeit deutlich überschritten, musste man eine gute Ausrede haben, sonst gab es peinliche Fragen und Ärger. Oh ja, ich hatte auch mal illegale Treffen -- aber vorsorglich einen zerrissenen Keilriemen dabei. Mit dreckigen Pfoten kam ich ein paar Stunden zu spät an der Grenze an - das war Ausrede genug. Ein anders Mal provozierte ich eine (noch billige) Geschwindigkeitsübertretung. Die "Straßenräuber" standen ja immer in den selben getarnten Winkeln, z.B. Nimegk. Also mit 10X km/h vorbei gerast, 30,- DM (Devisen!) abgedrückt, und die Quittung war die "staatlich dokumentierte" Ausrede. Verlassen der vorgeschriebenen Transitstrecke war ein Staatsverbrechen. Auf meinem Weg von Bayern nach Stettin nahm ich die deutlich kürzere Strecke nördlich um den Berliner Ring. Das kostete mich 200,- DM und fast 3 Stunden Diskussionen und Belehrungen.

(Beitrag auf Hinweis von icke46 durch Bunkerkommandant editiert und fachlich berichtigt)


Der Grenzübergang Dreilinden 1989 und heute -  20 Jahre nach dem Fall der Mauer, heute ist nichts mehr von den Sperranlagen zu sehen.

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Der Bundesgrenzschutz und seine Aufgaben an der Innerdeutschen Grenze

 
Die Aufgaben des BGS an der innerdeutschen Grenze waren genau so klar wie die Aufgaben der DDR-Grenztruppen. Der Bundesgrenzschutz leistete aber auch Aufklärungsarbeit für die vielen Grenztouristen die tagtäglich die innerdeutschen Grenze besucht haben. Es kam oft vor, dass Bürger der BRD den Grenzverlauf zur DDR falsch eingeschätzt haben und so eine Grenzverletzung vorlag. Um den Grenztouristen den Verlauf der innerdeutschen Grenze deutlich zu machen, wurde ein Informationszettel an die Grenztouristen ausgeben, die sich im unmittelbaren Grenzgebiet zur DDR aufgehalten haben.

  1. Die DDR-Grenzanlagen und der Metallgitterzaun bilden nicht die Grenze zur DDR! Die Grenzanlagen stehen bereits im Hoheitsgebiet der DDR! Es ist also falsch zu glauben, dass der Grenzzaun auch wirklich die Grenze ist!
     
  2. Der genaue Verlauf der Grenze zwischen BRD und DDR ist markiert mit Grenzschildern und Grenzmarkierungen.
     
  3. Jeder, der sich im Grenzgebiet zur DDR aufhält, sollte sich vorher genau erkundigen, wo die Grenze zur DDR genau verläuft, um eine
    Grenzverletzung zu vermeiden. Somit werden gefährliche Situationen mit den DDR-Grenztruppen vermieden.
     
  4. Es wird empfohlen im Grenzgebiet zur DDR nur befestigte Straßen und Wege zu benutzen, denn dort ist der Grenzverlauf zur DDR besonders gut zu erkennen. Die Grenzsperranlagen der DDR sind auch von einigen gut gesicherten Punkten gut einsehbar.
     
  5. Auf dem Gebiet der DDR gelten andere Gesetzesvorschriften als in der Bundesrepublik. Es ist bekannt, dass Grenzorgane der DDR zur höchsten Schärfe angehalten sind, um Grenzübertritte zu verhindern. Wer die Grenze zur DDR trotz aller Warnungen überschreitet, begibt sich in Gefahr!

Das erste Bundesgrenzschutzgesetz wurde am 16. März 1951 verkündet und das erste Personal am 28. Mai 1951 der Öffentlichkeit vorgestellt. Am 19. September 1951 wurde der „Paßkontrolldienst in der Britischen Zone“ als eigene Organisation gegründet und am 3. Oktober 1952 in den BGS überführt. Der Seegrenzschutzverband wurde am 1. Juli 1951 aufgestellt. Dem für den BGS zuständigen Bundesinnenministerium nachgeordnet waren die Passkontrolldirektion mit 10 Passkontrollämtern (ab dem 3. Oktober 1952) und die Grenzschutzkommandos (GSK) Süd, Mitte, Nord und Küste, das Kommando der GS-Schulen sowie die zentralen Dienststellen. Jedem GSK waren zwei Grenzschutzgruppen (GSG) nachgeordnet. Dem GSK Süd die GSG 1 und 2, dem GSK Mitte die GSG 3 und 4, dem GSK Nord die GSG 5 und 6 und dem GSK Küste die GSG 7 und See. Jede GSG (bis auf die GSG See) bestand aus drei Abteilungen (GSA), jede Abteilung aus vier Hundertschaften. Die GSG See bestand aus den Seegrenzschutzverbänden (SGV) I und II. Außerdem war jedem GSK (außer GSK Küste) eine Fernmeldehundertschaft und eine GSA Bau (GSAB) nachgeordnet; der GSAB eine Bauhundertschaft. Dem GSK Küste war dagegen nur eine Fernmeldehundertschaft nachgeordnet.



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Die Opfer der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer

 
Viele Menschen haben versucht, die DDR über die Berliner Mauer und die innerdeutsche Grenze zu verlassen. Einige haben es geschafft, aber über 1065 Menschen mussten ihr Leben lassen. Die Opfer an der Berliner Mauer und innerdeutschen Grenze teilen sich wie folgt auf:

Getötete Flüchtlinge vor und nach dem 13.August 1961:

getötete Flüchtlinge/Personen Berliner Grenze/Mauer: 37 / 190
getötete Flüchtlinge/Personen innerdeutsche Grenze: 247 / 237
getötete Flüchtlinge/Personen Ostsee: 17 / 164
bei Fluchtversuch getötete DDR-Grenzsoldaten: 18 / 19
sonstige Todesfälle, auch außerhalb der DDR: 59 / 77

Eines der ersten Opfer der Mauer in Berlin war am 22.8.1961 Ida Siekmann

Ida Siekmann sprang am Tag vor ihrem 59. Geburtstag aus der dritten Etage ihres Wohnhauses in der Bernauer Strasse 48 auf den in West-Berlin gelegenen Bürgersteig. Vor ihrem Sprung hatte sie lediglich einige Federbetten auf den Gehweg geworfen, die ihr jedoch keinen ausreichenden Schutz boten. Sie kam bei ihrem Fluchtversuch ums Leben.

Peter Fechter starb am 17.August 1962 an der Berliner Mauer

Er wurde am 17. August 1962 von Grenzsoldaten der DDR erschossen, als er versuchte, die Mauer Richtung West-Berlin zu übersteigen. Schwer verletzt lag Peter Fechter fast eine Stunde lang ohne medizinische Hilfe im Grenzstreifen am Fuße der Mauer. Die West-Berliner Polizei durfte nicht eingreifen. Auch die Posten der West-Alliierten am Checkpoint Charlie schalteten sich nicht ein. Erst nach fast einer Stunde wurde der Sterbende von den Grenzsoldaten der DDR abtransportiert.

Michael Gartenschläger starb am 1. Mai 1976 im Auftrag der Stasi beim Abbau einer SM-70

In der Nacht auf den 1. Mai 1976 wollte er zusammen mit zwei Helfern eine dritte Selbstschussanlage von der Grenzanlage zwischen Schleswig-Holstein und der DDR abbauen. Michael Gartenschläger wusste zwar, dass man die Selbstschussanlagen nach seiner zweiten Aktion am 23. April modifiziert hatte und er deshalb beim unachtsamen Entfernen einer SM-70 von einer anderen getroffen worden wäre. Aber er ahnte nicht, dass seit dem 24. April ein Sonderkommando des Ministeriums für Staatssicherheit auf ihn wartete, denn das Vorhaben war von einem IM der Stasi verraten worden, der allerdings weder den genauen Ort noch den Tag der geplanten Aktion hatte angeben können. Weil Michael Gartenschläger und seine zwei Helfer kurz vor Mitternacht an der Grenze bei Wendisch-Lieps im Kreis Hagenow Geräusche hörten, brachen sie das Vorhaben ab. Damit man später sehen konnte, dass wieder jemand an der Grenze war, wollte Michael Gartenschläger nur kurz eine der Selbstschussanlagen auslösen und sich dann ebenfalls zurückziehen. Dabei wurde er ohne Vorwarnung erschossen.
Das waren nur einige Beispiele von Opfern die an der Innerdeutschen Grenze ihr Leben lassen mussten.



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Dienst an der innerdeutschen Grenze


Den Dienst an der innerdeutschen Grenze mussten auch an Silvester beide Seiten versehen - egal ob Bundesgrenzschutz oder DDR-Grenztruppen. Viele Menschen glaubten, dass zu Silvester die Grenztruppen verstärkt wurden, aber es war eigentlich ein Tag wie jeder andere an der Grenze. Vom Ablauf dieser Dienstschichten zum Jahreswechsel handeln die nachfolgenden Berichte einiger Augenzeugen.

Ich 05/88 bis 10/89 habe den Jahreswechsel auch im Dienst versehen. Genauso wie die Weihnachtsfeiertage in diesem Jahr, aber wieder zurück zum Jahreswechsel, wenn ich mich recht erinnere hatten wir verstärkte Grenzsicherung und alles bis auf wenige Kameraden waren draußen. Da ich in der Küche tätig war, habe ich dem UvD und seinen Gehilfen etwas ordentliches zum speisen zubereitet und als der Jahreswechsel begann haben wir kurz aus dem Fenster im Fernsehraum geschaut, als Feuerwerk gab es von einem Uffz. von uns einige Raketen unten an der Kneipe (ERA) und wir haben im Fernsehraum ein einziges Tischfeuerwerk gezündet, hatte ein Urlauber mitgebracht. Danach war es im Objekt ruhig und nur die "Russen" haben ganz schön viele Signalraketen abgehen lassen! Das war wohl mein uncoolster Jahreswechsel den ich je hatte! (küche69)

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Ich war zum Jahreswechsel 86/87 an der Grenze im Harz. Dienst hatte ich von 22.00 Uhr bis 06.00 Uhr am Schanzenauslauf (Wurmbergschanze). Es war eine kalte klare Winternacht mit viel Schnee. Soweit ich mich erinnern kann waren ein paar Streifen von uns mehr im Abschnitt, aber ansonsten normale Lage. Zum Jahreswechsel wurden in Schierke ein paar Raketen in den Himmel geschickt, die Russen auf dem Brocken haben einige Feldbeleuchtungsraketen hochgejagt, die hingen dann mehrere Minuten über dem Brocken, ja und das war's eigentlich. Ein "gesundes neues" wurde über Funk gesagt und dann hoffte man das die Schicht bald rum ist und man aus der Kälte in die Kompanie konnte.(grenzgänger86)

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Sylvester 72/73 war ich damals im Grenzdienst. War eine Schicht, wie jede andere, also weder verstärkte Grenzsicherung, noch 12-Stundenschicht oder dergleichen. Wäre auch lieber zu Hause gewesen und hätte mit Freunden gefeiert. Damals konnte ich wenigstens noch feiern, nicht wie heute, wo ich schon nach einem Bier abwinken muss.
Wir hatten damals einen recht guten Postenplatz erwischt. Er lag direkt gegenüber von Grasleben. So bekam man wenigstens visuell mit, wann das Jahr vorbei war. Bei den Berlinern war es bestimmt zu Sylvester interessanter. Aber bei uns in der "Einöde" war es schon ein Highlight, wenn in Grasleben die Raketen in die Luft stiegen. So hatte man wenigstens das Gefühl, ein klein wenig vom Jahreswechsel mitzubekommen. Ja, Heiligabend, Sylvester...............beide male hatte ich Nachtschicht.


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Beobachtungsturm BT-11 an der innerdeutschen Grenze im Einsatz


Die Beobachtungstürme vom Typ BT11 wurden von 1966 bis 1976 an der innerdeutschen Grenze als Teil der Grenzsperranlagen aufgebaut. Die Türme hatten eine charakteristische, achteckige Kanzel.

Die Zugangstür
Die Metall-Tür war immer an der Ostseite (DDR), man konnte auf diese Weise im Westen nicht sehen, ob jemand hinein oder hinaus ging. Von innen war die Tür im Turm wie bei jeder Gasse im Grenzsignalzaun mit einem Kontakt gesichert, so dass bei unbefugtem Öffnen Alarm ausgelöst wurde. Das heißt das Öffnen musste vorher durch die FüSt freigegeben werden.

Kanzelloch/Zugangsloch
Die Klappe zur Kanzel war immer zu, aber nicht verschlossen. Die Klappe war aus Metall.

Kanzel des BT 11
Die Kanzel war 8–eckig mit acht Fenstern, welche alle nur nach außen geöffnet werden konnten. Sie schwangen wie Dachfenster nach oben und konnten auf verschiedenen Stufen arretiert werden. Außerdem gab es acht Schusslöcher aus Metall. In der Kanzel befanden sich zwei Barhocker, das Dienstbuch, topographische Karten des
Grenzabschnitts, Kennzeichen von Bundesgrenzschutz und U.S. Militär (nur anwesend, wenn Gegneraufklärung primär war), ein Anschluss an das Grenzmeldenetz, ein Heizungselement und ein Seil zum Abseilen. Die Kanzel bot Platz für 4 bis 5 Grenzer.

Dach des BT 11
Das Dach war begehbar und auf dem Dach war ein Rehling montiert. Auf dem Dach war ein riesiger Scheinwerfer (ca. 1m Durchmesser) montiert. Dieser wurde von innen über ein Hebelsystem mechanisch bedient. Die Dachluke war immer zu, aber nicht verschlossen.



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